Abenteuer Analog – Teil 3a: Schwarzweiß-Negativ-Entwicklung

Das Einspulen hatten wir gründlich geübt – Zeit für den Weg in die völlige Dunkelheit – Zeit für den Weg ins Bad! Einige nützliche Tutorials haben uns beim ersten Entwicklungs-Anlauf geholfen, andere Fragen blieben offen und ließen uns ganz einfach mal improvisieren.

Entsprechend unserem Fazit aus den Trocken-Übungen haben wir aufgepasst, dass der Filmanfang nicht mit in die Patrone gezogen wird. Die Vorbereitungen für das Einspulen konnten also bei Licht erledigt werden: drei Schnitte pro Film und die Sache war erledigt, einwandfrei! Weiter geht es nun in Dunkelheit.

Vorbereitungen

Entwicklungsdose, Spiralen, Chemie-Konzentrat usw.
Entwicklungsdose, Spiralen, Chemie-Konzentrat usw.

Entwicklungstank, Spiralen, Schere usw. wanderten ins Waschbecken, Patronen auf den Waschbeckenrand und es konnte losgehen. Natürlich versuchte ich beim ersten Versuch wieder den Film auf der Seite ohne Öffnung in die Spirale zu schieben, ohne Handschuhe lässt sich der Eingang aber relativ gut ertasten, Spirale gedreht und zügig ging es weiter, Komplikationen gab es keine. Auch das Abschneiden der Patrone ging gut von der Hand. Später sollte sich zeigen, dass der Schnitt sogar ziemlich gerade war.

Spiralen auf die Mittelsäule des Tanks, beides zusammen in den Tank, Verschlusstrichter drauf und schließlich Licht an. Ist die Dose wirklich zu? Irgendwie erscheint der Verschluss recht locker, doch fester zu ging er nicht – na gut.

Chemie ansetzen

Abgemessenes Entwickler-Konzentrat
Abgemessenes Entwickler-Konzentrat

Weiter ging es dann mit dem Ansetzen der Chemikalien, wie im Video-Tutorial von Fotoimpex erklärt:

Was im Video ganz einfach klingt: Das Ansatzwasser soll 20°C warm sein. Der nette Herr im Video hat das mal vorbereitet, wir mussten das noch organisieren, kann ja so schwer nicht sein. Das dachten wir jedenfalls.

Eiswürfel im Waser, um es auf 20°C abzukühlen
Eiswürfel im Waser, um es auf 20°C abzukühlen

Am Ende haben wir Wasser aus der Leitung genommen und immer wieder mit einem Bratenthermometer die Temperatur bestimmt: Nach ein paar Schlucken kalten Wasser und etwas warmem Wasser waren wir irgendwann bei 18,7°C. Das sind nun leider keine 20°C. Im Wasserkocher haben wir ein bisschen Wasser erwärmt, um es zu unserem Ansatzwasser zu geben – leider aber etwas spät: 24,3°C. Ein Eiswürfel in den ca. 700ml Wasser hat dann aber für die nötige Abkühlung um 4°C gesorgt.

Hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich Filme mit Bratenthermometer, Wasserkocher und Eiswürfel entwickeln würde – ich hätte ihn für verrückt erklärt. Aber es hat ja funktioniert und wurde damit so langsam wirklich zu einem Abenteuer!

Entwickeln

„Entwicklungszeitenrechner/Uhr Pro“
„Entwicklungszeitenrechner/Uhr Pro“

Für das Timing der Entwicklung hatte ich mir im Vorfeld die Android-App „Entwicklungszeitenrechner/Uhr Pro“ zugelegt. Vorteil: Sie enthält Entwicklungszeiten für unseren Rollei-Testfilm (und sogar für alte ORWO-Filme). Damit sollten wir super ausgestattet sein.

Rätsel-raten war nur beim Kipp-Rhythmus angesagt: Ich meinte mich zu erinnern in irgendeinem Video irgendwann man gehört zu haben, dass der Film die ersten 30 Sekunden permanent gekippt werden soll und dann nur noch alle 30 Sekunden. Auf die Schnelle fand ich das entsprechende Video aber nicht, konnte mich auch nicht genau an die Dauer des Kippens erinnern. Ich meinte mich an 15 Sekunden zu erinnern, das erschien mir aber etwas viel, weil die App ja alle 30 Sekunden zur Filmbewegung aufforderte.

Auf dem kleinen Fläschchen war nichts angegeben und das Tutorial oben endete vor der eigentlichen Entwicklung. Nun waren wir also auf uns selbst gestellt und mussten improvisieren. 20 Sekunden stehen lassen und 10 Sekunden kippen – das könnte doch ein guter Kompromiss sein, oder? Mangels besserer Informationen und Angaben haben wir das einfach mal so gemacht. Irgendwas wird am Ende schon dabei herauskommen.

Zunächst kam beim Abgießen aber nur deutlich verfärbter Entwickler zum Vorschein. Das war also der Beweis: Irgendwas musste in unserem Entwicklungstank vor sich gegangen sein!

Wässern

Weiter ging die Prozedur mit dem Zwischenwässern: In einem auf die Schnelle gefundenen weiteren Video hieß es: Zehnmal „temperiertes Wasser“ in den Tank und abgießen. Heißt das, dass es auch 20°C haben muss? Keine Ahnung. Wenn ja, hätten wir nicht genug solches Wasser zur Hand. Normales relativ kaltes Leitungswasser musste einfach genügen.

Fixieren

Beim Fixieren wurde es dann ganz verrückt: Die App sah nur die Entwicklungszeit vor, im Tutorial verwies man nur auf den Beipackzettel des Fixierers, den es bei uns nicht gab und auf den Fläschchen war nichts angegeben. Kurz gesucht, nichts gefunden, Fixierer eingefüllt und einfach mal losgelegt. Um die Zeit nicht völlig aus den Augen zu verlieren, haben wir die Stoppuhr mitlaufen lassen und den Tank wieder regelmäßig gekippt.

Nach etwa 5 Minuten beschlossen wir dann, dass nun genug fixiert sein müsste und gossen den Fixierer ab und wieder wurde der Film ausgiebig gewässert (an dieser Stelle ein freundlicher Gruß an den Wasserversorger; die Chemie haben wir im übrigen natürlich nicht in den Abfluss gegossen).

Be-Netzmittel-n

Das letzte Rätsel war dann das Netzmittel. Entweder wurde seine Verwendung nicht im Detail behandelt oder es tauchte im Video gar nicht erst auf und für lange Recherchen war ja nun auch keine Zeit. Daran einfach nach einem Datenblatt o.ä. zu suchen, habe ich in dem Moment nicht gedacht.

Unbedingt erforderlich scheint es aber nicht zu sein, die Filmentwicklung funktioniert offensichtlich auch so. Schaden kann es aber sicher auch nicht, also haben wir mal 300ml angesetzt, wenn es schon einmal da ist und in den Tank gefüllt und ausgegossen. Anschließend noch nachgespült, was vielleicht am Ende total falsch war und den Einsatz des Netzmittels ad absurdum führt, aber das ließ sich so schnell nicht klären.

Der große Moment

Der Tank wurde geöffnet, der Verschluss abgenommen und die Spiralen herausgenommen. Jetzt wird es spannend!

Der erste selbst entwickelte Film
Der erste selbst entwickelte Film

Die Überraschung, die eigentlich keine sein sollte oder dürfte, war groß: Es hatte tatsächlich funktioniert, auf unseren Filmen waren Bilder zu sehen und von einem Moment auf den anderen waren die Diskussionen über das vermeintlich richtige Vorgehen bei der Entwicklung vergessen! Es hatte funktioniert! Wir haben unsere ersten Filme selbst entwickelt!

Die Ergebnisse konnten sich augenscheinlich auch sehen lassen. Jetzt nur noch zum Trocknen aufhängen und dann geht es weiter mit den Abzügen!

Fortsetzung folgt…

Nachtrag

Inzwischen war Zeit nach den Datenblättern von Entwickler und Fixierer zu suchen. Wir hatten ja Adonal und  Adofix verwendet. Der Kipp-Rhythmus von Adonal sieht für die erste Minute permanente Filmbewegung vor und anschließend soll alle 30 Sekunden gekippt werden. Adofix soll 4 Minuten oder länger einwirken.

Beim Kipp-Rhythmus hatten wir also leichte Abweichungen zur den Gebrauchsanweisungen und ob der Film beim Fixieren bewegt werden muss, ist nach wie vor nicht klar. Es scheint aber auch nicht geschadet zu haben.

Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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