Abenteuer Analog – Teil 2: Film-Vorbereitung & Einspulen (Trocken-Übung)

Die Filme sind nun letztendlich eingelegt, also heißt es nun: Augen zu und durch – jetzt geht es richtig los! Auch wenn wir uns vorgenommen haben nicht die wichtigsten Fotos des Jahrhunderts auf unsere Testfilme zu bannen, kann es auch nicht schaden sich gründlich für die Entwicklung vorbereiten: Zeit für Trocken-Übungen!

Vor inzwischen einigen Jahren hatte ich mal bei eBay einen ganzen Karton abgelaufene Filme verschiedenster Art bestellt, bei den meisten handelte es sich wahrscheinlich um mir bis dahin unbekannte Drogerie- oder Discounter-Farbnegativfilme – also nichts, woran ich beim Fotografieren besonders viel Freude hatte (vor allem an den 12er oder 24er Filmen). Lange lagen sie nur herum, jetzt haben sie ihre Bestimmung gefunden: Filme, die eh niemand wirklich verwenden will, können ja auch mal bei Licht betrachtet werden.

Übung 1: Patrone öffnen

Ist der Film voll, wird er zurückgespult. Modernere Kameras machen das automatisch, bei alten kurbelt man von Hand. Wenn die Kamera aufhört zu surren oder sich die Kurbel ganz leicht drehen lässt, ist der Film fertig zurückgespult. Egal, wie der Film auf diese Weise zurückgespult wurde, die Ergebnisse haben eine entscheidende Gemeinsamkeit: Der Film verschwindet vollständig in der Patrone, der Filmanfang ist weg und muss wieder ans Tageslicht gebracht werden, zumindest sinnbildlich. Tatsächlich wäre das ja eher ungünstig, hätte man sich dann doch auch das Zurückspulen sparen können. Der Film wäre im Eimer, was nun nicht dem Ziel unserer Wünsche entspricht.

Entweder muss also der Filmanfang wieder aus der Patrone herausgefummelt oder die Patrone geöffnet werden.

Von Patronenöffnern hatte ich schon gehört, später gelesen, dass man sie auch mit Flaschenöffnern öffnen können soll. Das sollte das Mittel der Wahl werden: Flaschenöffner angesetzt, rumgedrückt und rumgehebelt, die Patrone zerkratzt und nach einigem hin und her war sie letztendlich geöffnet. Soll das wirklich so? Das erscheint doch ein wenig umständlich. Vielleicht ist die Investition in einen Patronenöffner doch nicht die schlechteste.

Damit ist die Patrone ruckzuck offen und der Film kann herausgenommen und in die Spirale der Entwicklungsdose eingespult werden.

Halt, Stopp! So schnell geht das dann doch nicht: Zuerst muss noch der Film dafür vorbereitet werden.

Übung 2: Filmanfang vorbereiten

Ecken abschneiden ohne die Perforation zu zerschneiden
Ecken abschneiden ohne die Perforation zu zerschneiden

Der Filmanfang ist deutlich schmaler und nur auf einer Seite perforiert, dieser Teil muss abgeschnitten werden – möglichst gerade. Und möglichst ohne die Perforation zu beschädigen. Das könnte ansonsten dazu führen, dass sich der Film beim Einspulen in die Spirale verklemmt und die ganze Angelegenheit unnötig mühsam wird. Noch besser zum Einspulen: Die Ecken des Films schräg abschneiden, wiederum ohne die Perforation zu beschädigen.

Wir erinnern uns: Wir mussten schon die Patrone in völliger Dunkelheit öffnen, jetzt müssen wir ohne auch nur die Hand vor Augen zu sehen (geschweige denn Film, Perforation und Schere) solche Basteleien starten. Das sollte wohl wirklich geübt werden!

Ein Testfilm wurde immer kürzer, er wurde immer weiter abgeschnitten und abgeschrägt. Letztendlich haben wir den ganzen Spaß mit geschlossenen  Augen wiederholt. Wo lag doch gleich noch mal die Schere? Bis wohin kann ich den Film gefahrlos berühren ohne die Negative zu beschädigen?

Blind schneiden ist wirklich ein Spektakel für die sehenden Beobachter – und das Ergebnis das ein oder andere Mal schön schräg.

Übung 3: Einspulen

Wo ist der Anfang? Und welche Seite ist die richtige?
Wo ist der Anfang? Und welche Seite ist die richtige?

Es wird schon irgendwie gehen, dachten wir uns und gingen über zur nächsten Übung. Der Tisch war inzwischen von Filmschnipseln übersäht. Also ab an die Entwicklungsspiralen.

Spirale in die eine Hand, den Film in die andere und ihn dann sehend reingefummelt und eingespult. Das geht erstaunlich schnell und einfach. Die Technik von Patterson mit den kleinen Kügelchen, die in die Perforation greifen ist wirklich gut!

Jetzt das ganze noch mal von vorn, diesmal blind! Es wurde ein ziemliches Herumgestochere, immer darauf bedacht den Film ja möglichst wenig, am besten nur am Rand zu berühren. Die Zuschauer amüsierten sich schon, versuchten aber ruhig zu bleiben und sich nichts anmerken zu lassen: Der „Eingang“ in die Spirale war auf der anderen Seite, was da vor ihren Augen ablief, konnte also gar nicht funktionieren. Irgendwann gab es dann doch den entscheidenden Tipp und gleich ging es deutlich besser von der Hand in die Spirale!

Nächste Hürde: Das Filmende nicht auf die Spirale und den bereits eingespulten Film schlagen lassen, das könnte unschöne Kratzer geben. Schnell war klar: der geheime Analog-Abenteurer hat zu wenig Hände, aber zu zweit ging es super!

Am Ende musste noch die Patrone vom Film abgeschnitten werden, möglichst knapp, damit das letzte Bild keinen Schaden nimmt. Das war so ziemlich die leichteste Übung.

Übung 4: Trocknen

Der Film eingespult, wir zufrieden! Jetzt muss er nur noch wieder aus der Spirale raus und irgendwo zum „Trocknen“ aufgehangen werden. Im Grunde lässt er sich einfach herausziehen, doch wieder muss darauf geachtet werden, dass das Ende nicht auf den restlichen Streifen schlägt.

Eine Erkenntnis wiederholt sich: Zu zweit geht es viel einfacher.

Das schwierigste war letztendlich den Film an die Fotoklammern zu hängen, die Haken und die Perforation waren ziemlich fein. Die Klammern einfach auch als solche zu benutzen, geht aber auch, am Filmanfang ist das überhaupt kein Problem, da er bereits beim Einlegen belichtet wird und keine Bildinformationen trägt. Und am Ende wird bestimmt auch genug Platz bleiben, hoffen wir einfach mal. Und ansonsten kann man ja nach dem Entwickeln auch zu zweit bei Licht fummeln – das wird schon klappen!

Fazit

Patronenöffner, Schere und jede Menge Schnipsel
Patronenöffner, Schere und jede Menge Schnipsel

Hat man es noch nie gemacht, ist das Einspulen von Filmen teilweise ganz schön fummelig und friemelig, dabei aber keineswegs kompliziert. Grundsätzlich falsch machen kann man allem Anschein nach auch nicht viel. Es hängt eben nur viel davon ab wie geschickt man in völliger Dunkelheit mit den Händen ist – und wie gut man sich orientieren kann oder den Arbeitsplatz vorbereitet hat.

Nicht allein zu arbeiten, erweist sich wiederholt als ziemlich nützlich. Und für alle Fälle kann es mit Sicherheit nicht schaden Handschuhe zu tragen: Falls der Film doch mal ungünstig berührt wird, hinterlässt man so wenigstens keine Fingerabdrücke.

Und ganz wichtig: Man kann sich die Arbeit deutlich einfacher machen, wenn man beim Zurückspulen feinfühliger vorgeht: Man merkt nicht nur, an der frei drehenden Kurbel, dass der Film zurückgespult ist sondern kurz vorher muss man etwas kräftiger drehen: Dadurch wird wohl der Filmanfang aus der Spule in der Kamera herausgezogen, d.h. es ist nur noch so viel Film außerhalb der Patrone wie man schon beim Einlegen herausgezogen hat. Eine Kurbelumdrehung ist dann mit Sicherheit noch drin, dann guckt der Anfang immer noch heraus und kann auch bei Licht für das Einspulen vorbereitet werden.

Das Gefummel mit einem Filmvorholer, Versuche mit einem Flaschenöffner oder die Investition in einen Patronenöffner erübrigt sich.

Geht man generell so vor, sollte man dann aber im Auge behalten, welche Filme bereits belichtet sind und welche nicht – ansonsten kommt es schon mal vor, dass man (so wie ich) einen unbelichteten Film zum Entwickeln abgibt. Jedenfalls konnte ich mir meinen Diafilm „Prag bei Nacht und Stromausfall“ nach einiger Irritation nur so erklären…

Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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