D800 fordert Tribut – Abenteuer NAS

 Ich kann jetzt nicht sagen, dass es mich überrascht – und wenn doch, wäre es sehr dumm: Speicherplatz wird knapp!

Da ich nur noch mit Speicherkarten mit mindestens 32 GB arbeite, ist der Hinweis

29,0 GB frei von 1,36 TB

leicht beunruhigend. Die Feststellung, dass die ersten gerade mal etwas über 3 Jahre alten Fotos bereits beschädigt bzw. zerstört sind, unterstreicht da nur noch, dass Handlungsbedarf besteht. Es musste eine Lösung gefunden werden, die folgende Punkte erfüllt:

  • Plattenplatz, Plattenplatz, Plattenplatz, Plattenplatz
  • RAID-Unterstützung
  • Langzeitspeicherung

Ja, auf den ersten Blick sind die Anforderungen doch (relativ) leicht zu erfüllen. Der Teufel steckt im Detail: Ein NAS musste her! Dass es darauf hinauslaufen würde, war eigentlich von Anfang an klar. Aber: Wenn ich schon gebrauchte Kleinwagen investieren müsste, sollte das doch bitte für Equipment, das dem Fotografieren an sich zu Gute kommt, der Fall sein. Die günstigsten NAS-Systeme boten aber nur Platz für 2 Festplatten, waren auf eine Gesamtkapazität von 4 TB beschränkt oder boten keine Unterstützung von RAID-5.

Warum RAID-5? Der Gedanke an RAID-0 ist natürlich nett: Alle Festplatten werden zu einem großen „Pseudolaufwerk“ verbunden und bieten Platz in schier unermesslichem Umfang. Aber was, wenn mal eine Platte ausfällt? Einfach gesagt: Arschkarte. Ich hätte also nichts gekonnt und könnte auch einfach externe Festplatten auf dem Schreibtisch stapeln, womit ich wahrscheinlich auch günstiger käme. Nix da! Dafür sind die Fotos zu wichtig!
Das nächste RAID-Level, das meist unterstützt wird: RAID-1, d.h. komplette Spiegelung der Platten. Das ist auch schön, bietet ein Maximum an Sicherheit, leider aber bei einem Minimum an Kapazität. Davon ausgehend, dass ein Plattencrash eher die Ausnahme als die Regel ist oder sein sollte und die Bilddaten der D800 ein ordentliches Gewicht haben, ich aber auch eine Weile Freude an meiner Archiv- und Backup-Lösung haben möchte, kommt auch das nicht in Frage.
Ebenfalls oft unterstützt: RAID-10, die Kombination von RAID-0 und RAID-1, mit allen Vor- oder Nachteilen (je nach Standpunkt) – eine teure Wahl.

RAID-5 bietet dagegen gute Performance, und speichert lediglich Paritätsinformationen zur Gewährleistung der Sicherheit. Schreiboperationen sind damit zwar nicht besonders schnell, Leseoperationen dafür aber umso schneller. Hinsichtlich Kosten/Nutzen die ideale Wahl! Ein Archiv wird schließlich naturgemäß häufiger gelesen als geschrieben, das sollte also passen.

Was ansonsten an Multimedia-Streaming-Funktionen, Webserver-Fähigkeiten und anderem Kokolores angeboten wird, interessiert mich nicht. Vielleicht nice to have, aber nicht entscheidend – und wird wohl auch nicht genutzt werden. Denn das ReadyNAS NV+ v2 von Netgear, für das ich mich letztendlich entschied, kann da wohl so einiges. Das war beim Händler meines Vertrauens gerade im Set mit 4 Festplatten mit je 2 TB im Angebot. Kann man da großartig was falsch machen? Hoffentlich nicht!

Nachdem ich mich selbst als Hürde überwunden hatte (ohne Crossover-Kabel ist das Anschließen direkt am Rechner eher so eine mittelgute Idee): Das ReadyNAS wurde gefunden, hat sich aber über die IP-Konfiguration beschwert. Es meinte, es würde in einem falschen Subnetz stecken und ich sollte doch die Konfiguration des Netzwerks ändern, erst dann wäre die Konfiguration möglich. Gut, machen wir das halt. Ein Zugriff auf die Konfiguration war danach zwar theoretisch möglich (der Button war aktiv), das Ding war aber nicht erreichbar… Merke: Es gibt da einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Patch- und Crossoverkabeln (morgen mal ein anderes Kabel kaufen).

Nun steht das gute Stück also in der Küche auf der Arbeitsplatte, ist direkt an den (WLAN-) Router angeschlossen und es tut. Es ordnet sich jetzt auch anstandslos der IP-Konfiguration des Routers unter und ließ sich dann auch ruckzuck einrichten, zumindest grundlegend. Benutzerrechte sind festgelegt, Verzeichnisse angelegt und Netzlaufwerke eingerichtet. Manchmal ist man halt einfach zu doof.

Das sollte aber nicht die letzte Hürde gewesen sein. Nach dem Start der Verwaltungssoftware auf dem Rechner beginnt ein 10-Minuten-Fenster, in dem man das ReadyNAS installieren kann, d.h. den RAID-Modus wählen kann – habe ich später erfahren. Also die Einrichtung mit 8 Klicks funktioniert wirklich nur, wenn man sich mit der Standardkonfiguration abgibt und nichts anpassen will. Ich dagegen führe schon den ersten Reset durch, nachdem ich, natürlich, die 10 Minuten, die man zur Konfiguration hat, habe verstreichen lassen.

So ein Reset will aber auch geübt sein. Gerät ausschalten, anschließend den Reset-Knopf mit einer im 45°-Winkel aufgebogenen Büroklammer drücken und gedrückt halten, parallel dazu den Power-Knopf drücken, immernoch den Reset-Knopf drücken. Was? Schon aufgehört? Pech! Das Ding bootet normal, versuch es in 10 Minuten noch mal. Also… Mit der bereits bekannten Büroklammer den Reset-Knopf drücken, drücken, drücken, drücken, drücken, Power-Knopf drücken, immernoch drücken. Boot-Menu-Message auf dem Display, Aufhören mit Drücken! Jetzt mit dem Backup-Knopf durch die Boot-Optionen schalten, Reset-Knopf drücken und loslassen. Vorher zu lange gedrückt? Die erste Boot-Option (normal) ist ausgewählt und bestätigt. Versuch es in 10 Minuten noch mal. Im dritten Anlauf sollte es dann aber doch endlich mal klappen! „Factory Default“ auswählen und jetzt bloß nicht das 10-Minuten-Fenster verpassen, also ja nicht ablenken lassen oder gar wegrennen! Blick starr auf den Bildschirm gerichtet. Wie lange so eine Kiste zum Hochfahren braucht… Oh, nach dem Hochfahren folgt ein Firmware-Download. Ob danach für 2,5 Sekunden der Setup-Button aktiviert wird? Ich habe Durst, müsste auch mal aufs Klo… Hilft nichts! Du kannst jetzt hier nicht weg!

„Aktualisierung“. Sanduhr. Plötzlich erscheint in der Software die Hilfe? Wieder „Hochfahren“. Immernoch beschäftigt. „Installation“. Nein, ich habe noch nichts gedrückt, ging ja noch gar nicht. Festplatten und Lüfter sind aber okay: 5 grüne Punkte. „Festplattenprüfung“. Wann beginnt eigentlich die Zeit zu laufen?

„Klicken Sie auf Konfiguration“ – Jetzt! Es geht los!!!

RAID-Level 5 auswählen. Laufwerk erstellen. Das soll jetzt ca. eine Stunde dauern bis ich auf das Laufwerk zugreifen kann, abhängig von der zur Verfügung stehenden Speicherkapazität (was das wohl für 8 TB bedeutet?). Und wie war das mit den 8 Klicks? Aber gut, über die Zeit, in der diese Klicks erfolgen, war ja nichts gesagt. Ich soll immernoch auf „Konfiguration“ klicken, ich bin irritiert – schnell mal nach nebenan rennen und gucken, was das Display anzeigt. Oh, zu spät: „Installation“… Naja, gucken kann ich ja trotzdem mal, jetzt sowieso: „Installing FW Flex-Mode“. Aha. Die wievielte Installation ist das jetzt eigentlich?

Oh! Es hat ein neues Wort gelernt: „Laufwerkserstellung“! Ernüchterung: Auf einer Website lese ich, dass der Vorgang mehrere Stunden dauern kann. Hatte ich wirklich die wahnwitzige Idee noch heute das derzeit arg belastete Laufwerk zu entlasten?!

Im Moment drohender Resignation („Geh ich halt schlafen…“): Statusänderung – „Hochfahren“! „Überprüfung Dateisystem, 100%“. Plötzlich wieder die Hilfe – verstehen werde ich das wohl nie.

Und… Was kann eigentlich an einer Überprüfung des Dateisystems, die bei 100% ist, so lange dauern? Ah! Man muss die Vorgänge nur mal hinterfragen, auf einmal ist das Ding fertig. Lasst die Konfiguration beginnen!

Jetzt geht es wirklich flott, wieder. Das Aufwändigste war noch die Einrichtung eines eigenen Mail-Kontos für den Versant von Warnmeldungen. Der Versand über GMail funktioniert nicht und die Angaben zum internen Mail-Service stimmen, vorsichtig ausgedrückt, nicht übermäßig zuversichtlich:

„Die Option ‚Intern‘ ist möglicherweise verfügbar, funktioniert aber nicht immer.“

Irgendwann ist auch das geschafft, das NAS ist konfiguriert, Netzlaufwerke verbunden und die ersten Daten können einziehen, ins Archiv wechseln. Endlich! Mit 2,05 MB/Sekunde ist das jetzt nicht der schnellste Vorgang, doch der Flaschenhals ist hoffentlich die Kombination aus WLAN und Wiederherstellung einer Platte. Morgen, mit dem richtigen Kabel wird dann alles besser, hoffentlich!

Das erste NAS ist tatsächlich ein Abenteuer! Aber bis es tat, was es tun sollte, sind ja nur etwa 4 bis 5 Stunden vergangen…

Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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Kommentare

  1. Hallo Andreas,
    Vielen Dank für den kurzweiligen Artikel über die alles andere als kurzweilige Prozedur. Habe ich jetzt was überlesen oder für welches NAS/Festplattenkombi hast du dich entschieden?
    Beste Grüße,
    daniel

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