Makrofotografie für den schmalen Geldbeutel

Klar, die dedizierten Makroobjektive der namhaften Hersteller sind wohl das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, ganz nah ranzukommen. Aber was, wenn die Investition einfach nicht im Budget ist? Die Alternativen sind ziemlich vielfältig, um auch für zweistellige Euro-Beträge brauchbare Aufnahmen zu bekommen.

Freundlicherweise hat mir foto-morgen erneut ein Testpaket geschnürt, damit ich das Thema Makrofotografie für geringes Budget ausführlich behandeln kann. In diesem Beitrag möchte ich die Möglichkeiten aufzeigen und bewerten.

Möglichkeit 1: Zwischenringe

Die Idee, mich mal etwas näher mit der Makrofotografie zu beschäftigen, kam mit dem Beitrag über den Diascanner. Denn die dort erwähnten Zwischenringe sind eben eine dieser Alternativen. Das Prinzip ist einfach. Zwischen Objektiv und Kamera wird eine linsenlose Röhre geschraubt, die den Abstand von Objektiv zur Sensorebene erhöht. Jeder hat wohl schon bemerkt, dass das Bild eines Beamers größer wird, je weiter man das Gerät von der Leinwand entfernt. Die genaue Berechnung findet man zum Beispiel bei Wikipedia.

Konsequenterweise nutze ich die günstigen manuellen Zwischenringe. Belichtung und Fokus müssen also von Hand eingestellt werden. Bei unbewegten Objekten wie meinem Korkenzieher ist das allerdings kein Problem. In den folgenden Bildern sieht man wie der Abbildungsmaßstab mit steigender Auszugslänge wächst.

Ein wichtiger Punkt bei Zwischenringen ist, dass man möglichst Objektive mit Blendenring verwenden sollte, da man sonst nur mit geschlossener Blende arbeiten kann, was besonders beim Fokussieren und Belichten durchaus ein Problem sein kann.

Möglichkeit 2: Nahlinsen

Eine Variante, die mit jedem Objektiv mit Filtergewinde funktioniert, sind die Nahlinsen. Hier werden Linsen verschiedener Stärke vorne ans Objektiv geschraubt, die im Prinzip wie eine Lesebrille wirken. Dadurch verändert sich das optische System des Objektivs, sodass man einen größeren Abbildungsmaßstab erzielen kann. Hier wurde mir von foto-morgen dieses Linsenset zur Verfügung gestellt.

Die obigen Bilder zeigen die verschiedenen Abbildungsgrößen der vier Linsen. Vorteil dieser Lösung ist mit Sicherheit, dass alle Funktionen wie Belichtung, Blendensteuerung und Autofokus erhalten bleiben. Nachteil ist allerdings die Bildqualität. Besonders zu den Rändern hin überwiegt Unschärfe und verschwommene Darstellung. Für eine akzeptable Bildqualität in stärkeren Linsenbereichen müsste man schon wieder etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Bei der stärksten Linse hat der Autofokus schon größtenteils gestreikt, weil die Abbildungsqualität zu schlecht war. Für die schnelle Aufnahme mit gemäßigtem Maßstab taugen die Linsen aber.

Möglichkeit 3: Der Retroadapter

Eine interessante Sache ist der sogenannte Retroadapter. Auch hier hat mir foto-morgen ein Exemplar zur Verfügung gestellt. Dabei wird ein vorhandenes Objektiv einfach verkehrtherum an der Kamera befestigt. Auch hier verändert sich das optische System und es wird ein deutlich größerer Abbildungsmaßstab erreicht. Die Bildqualität ist hierbei besonders bei vergrößernden Abbildungen zum Teil sogar besser als bei herkömmlicher Verwendung. Hier ist allerdings zu beachten, dass man kaum noch fokussieren kann. Man agiert hauptsächlich über die Objektdistanz.

Wie auch bei Zwischenringen empfiehlt es sich, Objektive mit Blendenring zu verwenden. Mit neueren Objektiven funktionier es zwar prinzipiell schon, wie man an dem letzten Bild oben sieht. Da habe ich zum Fokussieren den Blendenhebel von Hand aufgehalten und dann mit voller Blitzleistung gegen die geschlossene Blende angeblitzt. Praktikabel ist das jedoch nicht unbedingt.

Die Bildqualität

Ein wichtiges Thema bei dieser Art der Fotografie ist natürlich die Abbildungsqualität. Denn was nützt eine großformatige Nahaufnahme, wenn alles unscharf oder anderweitig beeinträchtigt ist. Im Vergleich zwischen den linsenlosen und linsenenthaltenden Varianten schneidet da die Nahlinse eher schlechter ab, jedenfalls im niedrigen Preissegment.

 

 

 

 

Wenn es wirklich groß sein soll, sind mit steigendem Maßstab erst Zwischenringe und dann der Retroadapter eher meine Wahl. Mit steigendem Budget sind dann gute Nahlinsen (Achromaten) und echte Makroobjektive im Vorteil. Aber wie man an meinen vorherigen Beiträgen erkennen konnte, liegt mir die einfache und preisintensivere Lösung meist eher fern.

Zahlen, Fakten: Die Abbildungsmaßstäbe

Ein bisschen Zahlenjongliererei gehört hier dazu. Um mal zu sehen wie groß die einzelnen Lösungen das Objekt bekommen, habe ich die maximalen Abbildungsmaßstäbe ermittelt. Das ganze ist keine wissenschaftliche Untersuchung, aber im Groben sollten die Zahlen so stimmen. Ich habe einfach bei der „Macro“-Aufschrift des Objektivs die Höhe des „M“ in Pixel durch die Bildhöhe geteilt, mit 16mm multipliziert (die D80 hat ja einen DX-Sensor mit 24x16mm) und anschließend mit durch die tatsächliche Gegenstandshöhe geteilt. Ebenso für den Korkenzieher, wobei ich hier Messfehler nicht ausschließe.

AF-D Nikkor 50mm f/1.8 mit Nahlinse +10: m = 0.85
AF-S Nikkor 18-55mm f/3.5-5.6 mit Nahlinse +10: m = 1.5
AF-D Nikkor 50mm f/1.8 mit Zwischenringen 7+14+28mm: m = 1.6
AF-D Nikkor 50mm f/1.8 in Retrostellung: m = 0.9
AF-S Nikkor 18-55mm f/3.5-5.6 in Retrostellung: m = 1.4
AF-D Nikkor 50mm f/1.8 mit Zwischenringen 7+14+28mm in Retrostellung: m = 2.3
AF-D Nikkor 55mm f/3.5-5.6 mit Zwischenringen 7+14+28mm in Retrostellung: m = 3.2

Anhand dieser Zahlen und den Beispielbildern kann nun jeder selbst überlegen, für welchen Anlass welche Lösung die geeignetste ist. Die übliche Antwort lautet also: Es kommt drauf an…

Ein Problem bleibt: Das Licht

Ein bisher vernachlässigtes Thema fehlt noch: Die richtige Beleuchtung. Je näher man an das Objekt heran will und je mehr Licht man durch die diversen Elemente verliert, desto kritischer wird es, das Motiv korrekt auszuleuchten. Zu meiner großen Freude hat foto-morgen auch noch einen Funkauslöser für den Blitz beigelegt. Damit konnte ich den externen Blitz, den ich vor Kurzem geschenkt bekam, entfesselt blitzen lassen. Zum ersten wird es so überhaupt erst möglich, bei einem Abstand von nur wenigen Zentimetern zwischen Objektiv und Objekt Licht dorthin zu bekommen. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein Bild sofort eine andere Wirkung erzielt, wenn das Licht aus einer anderen Richtung kommt.

 

 

 

 

Der Funkauslöser ist vom Prinzip her einfach. Der Sender kommt auf die Kamera, der Blitz auf den Empfänger. Beim Auslösen wird dann das Signal per Funk an den Blitz übertragen. Neben der normalen Betriebsart unterstützt das Set außerdem auch die Studioblitzauslösung sowie eine Fernauslösung der Kamera. Um das zu testen können, fehlt mir allerdings das Auslösekabel für meine D80.

Die Moral von der Geschicht:

Fehlt dir das Geld, verzage nicht. Man wird zwar vielleicht nicht reich durch Makrofotoverkäufe, aber für den ein oder anderen Aha-Effekt im kleinen Kreis taugen die oben genannten Alternativen definitiv. Und das bei einem Preis von etwa 35 EUR, wenn man mal von der Lichtsetzung absieht. Sollte ich mal ein Makroobjektiv in die Hände bekommen, werde ich vielleicht meine Meinung ändern. Aber für den Moment bin ich sehr glücklich über die Möglichkeiten, die ich mit diesen kleinen Helfern habe, und danke hiermit nochmal foto-morgen für die freundliche Bereitstellung des Testpakets.

Über den Autor: Markus Partheymüller

Eigentlich bin ich ja Informatiker. Mittlerweile interessiere ich mich allerdings auch mehr und mehr für die Fotografie, unter anderem auch für Basteleien für den etwas kleineren Geldbeutel.

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