Günstige Gurt-Alternative zu Sniper & Co.

Inspiriert und neidvoll zurückgelassen durch den Anblick der beiden Kameragurte Sniper-Strap und R-Strap beim Herrn Kollegen Andi begab ich mich vor einiger Zeit auf die Suche nach einem für mich geeigneten Kameragurt, der sowohl meinen finanziellen, als auch qualitativen Ansprüchen genügt.

Dabei stieß ich auf den Phorex Kameragurt der Firma foto-morgen GmbH. Freundlicherweise stellten Sie mir ein Testmuster bereit, das ich ohne schlechtes Gewissen auf Herz und Nieren testen konnte. Der Bericht erfolgt nun in diesem Artikel.

Phorex Kameragurt

Meine Ansprüche

Dieser Absatz ist nicht ganz unwichtig, um meine Beurteilung einordnen zu können. Denn um mich von den Testberichten von Andreas zum Sniper-Strap und zum Blackrapid RS-4 abzugrenzen muss ich erwähnen, dass meine Ansprüche in vielerlei Hinsicht etwas anders gelagert sind als bei ihm. Das geht schon beim finanziellen Aspekt los: Wer eine D800 besitzt, spart mit Sicherheit nicht daran, wie die Kamera permanent aufgehängt ist.

Weiterhin ist das Einsatzgebiet ein anderes: Ich nutze die Kamera meistens für kleinere, private Veranstaltungen oder ruhigere Plätze. Dabei sollte im Vordergrund stehen, dass die Kamera eher unscheinbar untergebracht ist und möglichst wenig stört. Dazu gehört für mich auch, dass ich sehr schnell und ohne Probleme Gurt und Kamera trennen kann. Über die Erfahrungen mit dem Phorex-Gurt in meinen Einsatzgebieten folgen später etwas detailliertere Angaben.

Letzlich zählt also für mich: Der Gurt muss relativ günstig sein, möglichst unscheinbar und unbemerkt. Und er sollte natürlich die Kamera festhalten.

Der Phorex-Gurt

Im Prinzip sieht der Phorex so ähnlich aus wie der Blackrapid RS-4 und verfügt auch über ähnliche Basisfunktionen. Er besteht aus einem schwarzen Gurtband, einem üppig dimensionierten, aber sehr flachen Schulterpolster mit gummierter Unterseite, zwei Begrenzern für den Lauf des Karabiners, einem Karabiner und dem entsprechenden Gegenstück für das Stativgewinde.

Flache Ausführung mit Rucksack

Was sich unterscheidet, ist neben dem Polster auch der Verstellmechanismus. Beim Phorex verstellt man die Länge des Gurtes so, wie man es beispielsweise von Umhängetaschen kennt. Ein Teil des Bandes ist doppelt geführt und kann in der Länge variiert werden. Damit ergibt sich eine veränderte Gesamtlänge. Wie allerdings der Test mit dem größentechnisch leicht unterlegenen Andi gezeigt hat, führt das zu einer Einschränkung der verfügbaren Gurtlänge, an der die Kamera gleiten kann, wenn man den Gurt zu eng schnallen will oder muss. Um die Kamera an einer bestimmten Stelle an der Hüfte tragen zu können, musste er den Gurt so eng ziehen, dass das gegenüberliegende Endstück nicht mehr unterhalb der Schulter, sondern eher auf mittlerer Brustkorbhöhe hing. Man sollte also bei einer Körpergröße von unter 180-185 cm durchaus erstmal testen, ob der Gurt überhaupt passend eingestellt werden kann.

Ansonsten bietet der Gurt genau das, was ich von ihm will, nämlich nichts weiter als den Gleitmachanismus, den Karabiner und  das Gewinde. Es gibt keine Taschen, Wulste oder sonst irgendwelche „Gimmicks“, die ich aber sowieso nicht will. Dafür ist der Gurt unschlagbar flach und unauffällig. Der Karabiner gibt mir hierbei die Möglichkeit, schnell die Kamera freizubekommen und den Phorex beiseite zu legen.

A propos Karabiner

Karabiner bleibt offenZum Karabiner gibt es allerdings noch ein paar Worte zu sagen. In manchen Amazon-Kundenrezensionen war davon zu lesen, dass der Haken nur mit Gewalt zu (de-)montieren geht. Das ist zwar nicht die ganze Wahrheit, aber etwas ist dennoch dran. Zum ersten bleibt das bewegliche Teil des Karabiners manchmal in aufgeklappter Stellung hängen und federt nicht von allein zurück. Zudem quietscht der Sicherheits-Schraubverschluss ein wenig. Bei der Montage ergibt sich nun das Problem, dass es mechanisch doch sehr eng zugeht. Anbringen ist dabei noch relativ einfach, aber in der Tat ist der Haken meistens sehr schwierig vom Gewinde zu lösen. Allerdings muss hier nicht gleich Gewalt die Lösung sein. Mit etwas Übung schafft man es auch relativ unproblematisch mit sanftem Gemüt.

Die Befestigung im Stativgewinde Der Karabiner wird eingehängt Eingehängt

Einsatzgebiete

Ich hatte den Gurt mittlerweile bei einigen Gelegenheiten an meiner Seite: Bei einem (niederklassigen) Fußballspiel, einem Probenwochenende des Landesjugendchores Sachsen und einer Hochzeit. In jedem Gebiet konnte der Gurt zeigen, ob und wie er meinen Ansprüchen gerecht wird, und mit welchen Mitteln.

Beim Fußballspiel war der Genuss wenig markenspezifisch, sondern einfach eine Eigenschaft der Idee dieser Gurte. Solange nichts für mich Spannendes passiert, hängt die Kamera ohne zu stören an der Hüfte, kann aber bei Bedarf schnell vor die Augen gezogen werden. Da hier bei mir wenig Bewegung nötig war (die meiste Zeit stand ich mehr oder weniger regungslos am Spielfeldrand), konnte man da nicht viel verkehrt machen.

Das sah bei dem Probenwochenende schon ganz anders aus. Da ich aktiver Teilnehmer war, musste die Kamera immer dabei sein, ohne mich zu stören. Das gilt für Mahlzeiten, Proben und Ausflüge. Wer schonmal versucht hat, sich mit einem Standard-Kameragurt an einem Buffet den Teller vollzuschlagen, wird so einen Sling-Gurt nicht mehr hergeben wollen. Beim Proben hat sich ausgezahlt, dass man die Kamera mit dem Karabiner schön schnell abmontieren und unter seinen Stuhl legen konnte, um sie für die Pause wieder schnell anzuhängen. Beim Ausflug hat sich dann die Flachheit ausgezahlt, da der Rucksack einfach bequem darübergeschnallt werden konnte. Außerdem habe ich mir einen Ersatz für den nicht vorhandenen „Activity-Clip“ ausgedacht, der in diesen Momenten Gold wert war.

Bei der Hochzeit galt dann wieder schnelles Montieren, Unauffälligkeit und schnelles Demontieren. Den flachen schwarzen Phorex kann man sogar unter einem Anzug-Jackett anziehen, ohne gleich wie Gollum auszusehen.

Insgesamt ist mir immer aufgefallen, dass die gummierte Unterseite ihre Sache eigentlich wirklich gut macht, der Gurt verrutscht nur selten. Und wenn es doch mal passiert, kann man mit den Begrenzern und der Kamera einfach gegensteuern. Aber im Vergleich zum Sun-Sniper Compact, den ich auch mal kurz antesten konnte, gefiel mir die Handhabung diesbezüglich beim Phorex doch deutlich besser.

Kein „Activity-Clip“? Selbst ist der Mann…

Was wäre ein Artikel von mir ohne Bastelei?! Da es für den Phorex kein Äquivalent zum Activity-Clip von Sun-Sniper gibt, mich es aber wahnsinnig macht, wenn mir beim Hände Waschen, Schuhe binden, Umherlaufen oder am Essensbuffet die Kamera vor dem Latz baumelt, habe ich mir da meine ganz eigene Lösung „gebastelt“. Dazu genügt ein handelsüblicher kleiner Karabinerhaken, der um den Gürtel hinter einer Schlaufe angebracht wird. In diesen Karabiner kann ich die Gurtführung einhängen, wenn ich die Kamera nicht brauche. Die sitzt dann ziemlich fest an dieser Stelle an der Hüfte, auch wenn ich mich bücke, die Hände wasche oder strammen Schrittes durch die Stadt marschiere. Kostet fast nichts, hilft aber extrem.

Activity-Clip Marke Eigenbau

 

Fazit

Ich kann das Teil wirklich nur empfehlen. Wer einen Gurt mit den oben aufgeführten Eigenschaften sucht, aber nicht so viel Geld ausgeben kann oder will, sollte den Phorex wirklich in Erwägung ziehen und mal ausprobieren. Es gibt ja wie immer ein 14-tägiges Rückgaberecht. Man muss sich natürlich im Klaren darüber sein, dass bei etwa einem Drittel des Preises nicht das gleiche Produkt erwartet werden kann wie bei den großen Marken. Aber für mich ist in diesem Fall sogar weniger mehr und ich bin total zufrieden.

Vielen Dank nochmal an foto-morgen für die Bereitstellung.

Über den Autor: Markus Partheymüller

Eigentlich bin ich ja Informatiker. Mittlerweile interessiere ich mich allerdings auch mehr und mehr für die Fotografie, unter anderem auch für Basteleien für den etwas kleineren Geldbeutel.

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