Erfahrungsbericht Sniper-Strap mit Activity-Clip

 Die Suche nach dem perfekten Gurt geht weiter! Ich hatte ja in der letzten Zeit Gelegenheit mir einen ausführlichen Eindruck vom Sniper-Strap „The Pro“ Steel & Bear* von Sun-Sniper mitsamt optionalem Activity-Clip zu bilden.

Das Grundkonzept ist das gleiche wie beim R-Strap von BlackRapid, so dass mich besonders interessiert hat, welche Auswirkungen die Unterschiede der beiden Gurte auf Komfort und Handhabung  haben: Auffälligster Unterschied ist erst mal die Befestigung der Kamera, die beim Sniper-Strap ohne Karabiner (den es bei früheren Versionen des Gurtes allerdings mal gab) auskommt. Damit gibt es ein möglicherweise kritisches, bewegliches Teil weniger. Schränkt das auch die Beweglichkeit ein?

Das deutsche Pendant zum R-Strap wurde von einem Fotografen für Fotografen entwickelt: Hinter den Sniper-Straps steckt (wie auch hinter den bekannten Sun-Bounce-Reflektoren) Wolfgang-Peter Geller, zweifacher Gewinner des World Press Photo Awards. Über den Gurt sagt das jetzt noch überhaupt nichts aus, aber es ist mir immer erst mal sympathisch, wenn ich weiß, dass die Menschen hinter irgendwelchen Produkten auch wirklich voll in der Materie stecken und Anforderungen und Vorlieben nicht nur vom Hörensagen kennen. Es gibt schon genug Dinge, die während ihrer Entwicklung mal ganz kurz an der Praxis vorbeigeführt worden sind.

Anle­gen und Mon­tage an der Kamera

Der erste Eindruck vom Gurt ist wirklich sehr gut, an der Verarbeitung gibt es rein gar nichts auszusetzen. Positiv fällt auch das auf der Unterseite gummierte, dicke Schulterpolster auf, wieder mit einer „Knickstelle“ für die Schulter.

Wie schon beim R-Strap erfolgt die Einstellung der Gurtlänge ähnlich wie bei einem Rucksack, allerdings ist die Kunststoffschnalle dafür zwischen den beiden Polsterabschnitten mittig angebracht, verkürzt den „Bewegungsweg“ der Kamera am Gurt also nicht, was aber wohl der Stoßdämper-„Wulst“ auf der Vorderseite des Gurtes geschuldet ist. Die Polsterung des Sniper-Straps verfügt über Klettverschlüsse, mit denen das Schulterstück oben geöffnet werden kann und so ein einfaches Verstecken und Verstauen der überschüssigen Länge ermöglicht. Da war beim R-Strap mehr Gefriemel und Gestopfe notwendig bis nichts mehr störend rumhing, dort ließ sich nichts öffnen.

Auch die Befestigung der Kamera am Gurt könnte einfacher nicht sein: Die kugelgelagerte Schraube wird ins Stativgewinde geschraubt bis sich  nichts mehr rührt und die Gummischeibe zusammengedrückt wird. Fertig. Was ich erst beim zweiten Anschrauben gemerkt habe: „Hinter“ dem Bügel, mit dem die Schraube am Gurt befestigt ist, gibt es ein geriffeltes Teil, das das Schrauben sehr, sehr einfach macht. Ich kann heute nicht mehr sagen wie ich den Gurt beim ersten Mal befestigt habe, ich muss mir die Finger unglaublich verbogen haben. Im Allgemeinen ist das größte „Hindernis“ beim Befestigen der Kamera nur noch der Gurt, der sich ab und an ein wenig verdreht. Das ist aber in jedem Fall besser als wenn sich das Teil, mit dem man gerade arbeiten will (sprich: ein Karabiner), immer wieder wegdreht.

Übrigens wird der Gurt mit zwei Gummischeiben in verschiedenen Dicken geliefert. Sollte ein Stativgewinde mal nicht tief genug sein, dass der Gummi eingequetscht werden könnte, um  für optimalen Halt zu sorgen, wird einfach der die dickere Scheibe genommen.

Und dann gibt es ja noch den Activity-Clip*, der mir besonders gut gefallen hat: ein Plastikstück mit dickem Gummiband, viel mehr ist es eigentlich gar nicht – eben einfach, aber genial: Der Plastik-Clip wird am Gürtel befestigt und mit dem Gummiband können anschließend Kamera und Gurt am Gürtel (und damit auch Körper) fixiert werden – da baumelt nichts mehr! Gedacht ist der Clip, wie schon der Name verrät, für bewegungsintensivere Aktivitäten wie Rennen, Klettern oder Radfahren. Ich fand ihn jedoch schon beim Schuhe anziehen sehr praktisch. Einziger Wermutstropfen: Durch den starren Kunststoff harmoniert der Activity-Clip leider nicht mit meinen geliebten Nietengürteln, die sind zu dick und passen nicht in den Clip.

Tragekomfort

Geht es nur um den Transport der Kamera, gibt es praktisch kaum einen spürbaren Unterschied zum R-Strap: Die Kamera hängt nahezu unbemerkt an der Hüfte und wartet auf ihren Einsatz, ohne unangenehm auf sich aufmerksam zu machen.

In Sachen Polsterung geht Sun-Sniper einen anderen Weg: etwas schmaler, dafür bedeutend dicker als beim R-Strap, zusätzlich leicht gebogen, gummiert und um einen Stoßdämpfer ergänzt – also noch mehr Unterschiede im Detail. Macht sich das bemerkbar? Naja. Polsterung ist Geschmackssache und wohl auch abhängig von der eigenen Statur. Mir ist die Polsterung des Sniper-Straps etwas zu starr oder steif. Ein kurzer Test mit dem etwa doppelt so breiten Mitbewohner ergab: Der Gurt drückt etwas, bei mir vorne, bei ihm hinten. Hmm. Rückfrage bei einem, der so einen Gurt schon länger nutzt: Wird nicht weicher. Hmmmm. Die Beobachtung ist jetzt aber auch nicht überzubewerten. Ohne Vergleich wäre es wahrscheinlich nie aufgefallen. Ich kann es nur wiederholen: Geschmackssache.

Übrigens kann Sun-Sniper in Sachen Polsterung auch anders: Den Sniper-Strap gibt es auch in einer insgesamt filigraneren Variante, dem Sniper-Strap „The Compact“ – Steel & Bear*. Der Gurt ist dünner, das Polster schmaler und flacher (und die Klettverschlüsse fehlen), auch die „Kugellagerschraube“ ist kleiner. Da überrascht es, dass auch diese Variante für 5 kg ausgelegt ist. Ich nehme mal an, dass das nur die Belastbarkeit des Materials ist. Das ist ja das gleiche wie beim großen Bruder. Unter „Volllast“ macht sich sicherlich die schmalere Gestaltung einschneidender bemerkbar, Physik und so. Testen konnte ich das nicht. Zwar hielt ich meine Kamera für relativ schwer, von den 5 kg Maximallast bin ich aber auch mit dem größten, dicksten, schwersten Objektiv und Blitz weit entfernt. Insofern: Test bestanden.

Rucksack und Sniper-Strap verstehen sich prinzipiell auch gut, der Compact natürlich besser als der Pro, logisch. Nur Schultertasche und Gurt kommen ein wenig in Konflikt. Zwei dicke Polster auf einer Schulter sind eben nicht optimal. Aber hier könnten Tasche und Gurt ja immer noch über Kreuz getragen werden. Oder mach lässt den Kameragurt Kameragurt sein und verwendet stattdessen den Strap-Surfer von Sun-Sniper, mit dem die Kamera in den Gurt der Tasche eingeklinkt wird. Das konnte ich nicht testen, aber das Konzept kann ich mir sehr gut vorstellen.

Handling

Zurück zum Sniper-Strap… Bisher sah ja alles sehr gut aus. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Zum Rumtragen der Kamera ist der Gurt perfekt. Setzt man ihn aber schnell oder in Bewegung mit Schwung ein, offenbart sich eine Schwäche: Das Polster verabschiedet sich. Führt man die Kamera nach oben, kann es passieren, dass man das Polster nach hinten schiebt. Möglicherweise wird es dabei noch ein wenig vom Stoßdämpfer geschoben. Wie auch immer – irgendwann siegt dabei die Schwerkraft, wenn es die Schulter überwunden hat, lässt es sie gänzlich hinter sich und sucht sich einen Platz auf dem Rücken. Auf Making-of-Bildern anderer Fotografen ist mir aufgefallen, dass sie mit dem Sniper-Strap das gleiche Problem haben. Teilweise landet das Polster auch auf dem Bauch, aber das liegt dann eindeutig an falscher Benutzung (verkehrt herum getragen).

Das passiert mit anderen Gurten auch, müsste also gar kein erwähnenswertes Problem sein. Leider hat Sun-Sniper hier aber (an der falschen Stelle) gespart und auf ein einfaches Plastikteil verzichtet: den Clip, der den Bewegungsraum der Kamera nach hinten begrenzt. Ist der Gurt verrutscht, führt dieses kleine Teil nämlich auch dazu, dass der Gurt beim Zurückführen der Kamera wieder in Position gerückt wird. Im Baumarkt habe ich das Ding letztens zufällig gesehen, leider aber nicht auf den Preis geguckt. Ich vermute aber mal, dass es sich um einen Cent-Artikel handelt, viel ist ja nicht dran. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man das Ding überhaupt auf den Gurt bekommen würde. Ehrlich gesagt finde ich es jedoch ziemlich erstaunlich, dass ich mir diese Frage bei einem ansonsten so durchdachten Produkt überhaupt stellen muss. Das war aber auch wirklich der einzige negative Aspekt beim Umgang mit dem Gurt, leider aber ein sehr nerviger. Schade.

Ansonsten verhält sich alles wie bei Gurten mit diesem Konzept gewohnt, nichts zu beanstanden. Ich bin zufrieden.

Und was bisher noch unerwähnt blieb: Der Sniper-Strap verfügt über ein eingearbeitetes Stahlseil als Diebstahlschutz. Damit kann die Konkurrenz nicht aufwarten, großer Vorteil, wenn man der Sicherheit besondere Bedeutung beimisst. Nette Information am Rande: Innerhalb des ersten Jahres ab Kaufdatum gibt es die Sniper-Strap-Versicherung, ein freiwilliges Angebot von Sun-Sniper. Sollte es trotz Stahlseil einem bösen Menschen gelingen den Gurt zu durchtrennen und die Kamera so zu entwenden, gibt es von Sun-Sniper 400 Euro erstattet – und auf Wunsch auch einen neuen Gurt. Klar, das ersetzt nicht die gestohlene Ausrüstung, mindert aber den Schaden. Das ist schon eine beachtliche Geste eines Zubehör-Herstellers, Hut ab!

Fazit

Guter Gurt. Ich tue mich ein wenig schwer damit zu werten und zu sagen, dass dieser oder jener Gurt der bessere ist. Dafür sind die Unterschiede weitestgehend zu gering und zu sehr von persönlichen Vorlieben und der eigenen Gewichtung der Differenzen abhängig.

Wäre die Sache mit dem abrutschenden Polster nicht, würde ich sofort sagen, dass es überhaupt keinen Unterschied gibt und es völlig egal ist, für welchen der Gurt man sich entscheidet. Glücklich wird man mit beiden werden. So sehe ich den Sniper-Strap für schnelle/actionreiche Fotografie einen Tick im Nachteil. Schließlich will man sich aufs Fotografieren konzentrieren und nicht aufs Zurechtrücken des Gurtes. Ansonsten aber klare Empfehlung. Viele schwören auf den Sniper-Strap und ich kann es gut nachvollziehen, setze ihn ja auch gerne und oft ein – insbesondere in Verbindung mit dem Activity-Clip, der mir – ich kann es nicht oft genug sagen – wirklich sehr, sehr gut gefällt.

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Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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