Erfahrungsbericht BlackRapid R-Strap RS-4 [Update]

Genau wie nicht alles Gold ist, was glänzt, ist auch der BlackRapid R-Strap RS-4* nicht perfekt. Zufrieden bin ich trotzdem und habe den Kauf zu keinem Zeitpunkt bereut.

Eigentlich war der Gurt ja für die D800 gedacht, da die aber ein wenig hat auf sich warten lassen, hatte ich schon das Vergnügen ihn in der Zwischenzeit mit den verschiedenen Kameras aus den verschiedensten Gewichtsklassen zu testen: F60, D80, D300 und nun auch D800*. Mit allen hat er eine gute Figur gemacht, wobei ich es im Fall der F60 wohl vor allem dem Objektiv zu verdanken habe, dass ich die Kamera überhaupt noch „gespürt“ habe.

Aber der Reihe nach…

Anlegen und Montage an der Kamera

Der Gurt selbst macht mit dem stabilen ballistischen Nylon einen guten Eindruck und ist angenehm zu tragen. Dabei leistet eine „Sollknickstelle“ an der Schulter gute Dienste. Der richtige Sitz ist damit praktisch schon vorgegeben. Die richtige Länge lässt sich problemlos ähnlich wie bei Rucksäcken verstellen, wobei der überschüssige Teil des Gurtes nicht störend in der Gegend rumbaumelt, sondern im Schulterstück verschwindet. Perfekt.

Beim Montagesystem an der Kamera war ich ja etwas skeptisch, wird doch einfach nur eine Metallöse ins Stativgewinde geschraubt. Die macht allerdings einen wirklich massiven Eindruck und durch ein Gummischicht soll der so genannte FastenR* auch gegen selbstständiges Lösen geschützt sein. Bisher kann ich das nur bestätigen: Sitzt bombenfest. Praktischerweise ist das kleine Teil auch einzeln erhältlich, so dass theoretisch der gesamte Kamerafuhrpark mit Ösen versehen und schnell zwischen einzelnen Kameras gewechselt werden kann, ohne das Teil immer erst abschrauben zu müssen. Nützlich, aber auch nicht notwendig.

 Die Befestigung am Gurt erfolgt durch den ConnectR*, einen Karabiner, der ebenfalls einen soliden Eindruck macht. Gerade die Elemente zur Befestigung der Kamera werden von BlackRapid wohl auch permanent weiterentwickelt. Das zahlt sich offenbar aus. Gerade der Karabiner und dessen Befestigung am Gurt ist ja ein äußerst kritischer Teil, der bei mir mal den Tragegurt einer Cullmann-Tasche hat unbrauchbar werden lassen, obwohl aus Metall:

Der Karabiner ist einfach irgendwann durchs Loch gerutscht. Beim R-Strap könnte das genauso passieren. Nach etwa 2 Wochen Nutzung, ist mir aufgefallen, dass auch dort der Karabiner mehr Spiel hat als am Anfang. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, werde das aber wohl im Auge behalten müssen.

 Damit sich der Karabiner nicht ungewollt öffnet, verfügt er über eine Art Sicherheitsverschluss, der einfach über die Öffnung geschraubt wird. Auf der einen Seite ist das praktisch und sicher, auf der anderen Seite macht es das Anbringen der Kamera aber auch etwas fummelig: Der breite „Sicherheitsring“ ist nahezu genau so lang wie das bewegliche Teil zum Öffnen des Karabiners, so dass man zwangsweise auf diesen Ring drücken muss, damit er sich öffnet. Dabei kommt es gerade anfangs häufiger vor, dass sich einfach nur der Sicherheitsverschluss dreht, aber nicht der Karabiner öffnet. Dazu kommt, dass die Öffnung recht schmal ist. Da Anbringen der Kamera im Gebrauch aber wohl die seltenste Aktivität ist, dient das alles vor allem der Sicherheit der Kamera. Gut so!

Tragekomfort

 Wie bereits erwähnt, ist gerade von leichteren Kameras nach dem Anbringen nahezu nichts mehr zu merken. Man gewöhnt sich insgesamt sehr schnell an den Gurt, da er in keiner Weise irgendwie stört. Ich habe ihn sogar schon ohne Kamera unter der Jacke getragen und dann noch einen Rucksack aufgesetzt – kein Problem. Rucksack und R-Strap harmonieren generell sehr gut zusammen. Das Schulterstück ist flach genug, um den Träger des Rucksacks nicht nennenswert zu behindern. Natürlich merkt man aber schon, dass da zwei Dinge auf der Schulter aufliegen.

Die Kamera pendelt beim Laufen einfach locker an der Hüfte und stützt sich, je nach eingestellter Länge des Gurtes, mit dem Objektiv ein wenig am Bein ab. Das gibt Rückmeldung, dass sie noch da ist. Das Pendeln selbst habe ich noch nicht als störend empfunden und sollte es (wie auch immer) doch einmal so sein, gibt es am Gurt vor und hinter dem ConnectR zwei Plastikclips, die die Kamera fixieren sollen. Das dürfte ganz gut funktionieren.

Inzwischen hat der R-Strap bereits einige stundenlange Märsche mit mir und der Kamera mitgemacht, unangenehm wurde er nie. Wenn etwas gedrückt hat, war es eher der Rucksack – aber nicht der diagonal über die Schulter getragene Gurt.

Handling

Zum Handling gibt es nicht viel zu sagen: Man gewöhnt sich sehr schnell an den Gurt und die neue Position der Kamera, greift hin, macht sein Foto und führt sie am Gurt zurück. Man könnte sie wahrscheinlich auch einfach so fallen lassen und alleine am Gurt zurückgleiten lassen. Aber das ist mir nichts, muss man sein Glück doch nicht überstrapazieren.

Probleme hatte ich nur einmal, als ich im Hochformat fotografieren wollte. Aus irgendeinem Grund rutschte der Gurt offenbar nicht richtig nach und war damit für eine bequeme Hochformatnutzung wie sie im Handbuch beschrieben wird etwas zu kurz. So richtig reproduzieren ließ sich das Problem aber nicht. Später war jede erdenkliche Drehung der Kamera problemlos möglich.

Nur mit einem Rucksack auf dem Rücken könnte das Nachrutschen des Gurtes teilweise blockiert sein, so dass es in manchen Situationen Probleme geben könnte, wenn die Kamera schon ans Schulterstück stößt, aber eigentlich gerne noch höher wollen würde. Aber dafür kann der Gurt ja nichts.

Im Allgemeinen unproblematisch, wenn auch etwas ungewohnt ist der Objektivwechsel. Die Kamera steht halt kopf, da muss man ein wenig umdenken oder sie sich zurechtdrehen. Auch keine größere Hürde. Spätestens im Sitzen oder Knien ist da ja sowieso alles kein Problem mehr.

Probleme

Ich schrieb, dass der Gurt nicht perfekt ist, bis hierher klang aber doch eigentlich alles ganz gut?

 Noch überhaupt nicht erwähnt habe ich die kleine Tasche am Schulterstück. Warum? Für mich ist sie ganz einfach zu klein und nicht zu gebrauchen. In der Produktpräsentation heißt es, dass darin zwei Speicherkarten mit Hülle oder Ausweis, Kreditkarte etc. Platz haben. Speicherkarten im Gurt parat zu haben, wäre praktisch. Leider muss sich die Präsentation auf SD-Karten beziehen, die ich nur noch als Reserve verwende. Primär nutze ich CF-Karten, deren Hülle(n) sich beim besten Willen nicht ohne extremes Stopfen in diese kleine Tasche bugsieren lassen. Und dann geht sie auch nur noch mit Ach und Krach zu. Visitenkarten passen auch nicht so richtig rein, mit meinem (alten) Ausweis muss ich es gar nicht erst probieren und in Kredit- oder EC-Karte im Kameragurt sehe ich erst recht keinen Sinn. Der Infrarot-Fernauslöser ML-L3* würde sicher Platz finden, nur nutzt mir der an der D800 nichts mehr. Also bleibt die Tasche für mich zu klein (vor allem zu flach) und ungenutzt. Für Vorschläge zur sinnvollen Nutzung bin ich dankbar. Ansonsten bleibt sie eben zu und ich werde schnell vergessen, dass sie überhaupt da ist.

Ein weiterer Punkt, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ob er eventuell zum Problem wird, ist der Abrieb des Gurtes durch den ConnectR aus Metall: Offensichtlich scheuert er an der „Standardposition“ der Kamera am Gurt, so dass er recht schnell aufgerieben ist. Sicherlich ist das normal, wo bewegliches Metall auf Fasern stoßen. Ich hoffe nur, dass der Nylongurt nicht irgendwann durchgerieben ist und reißt. Vorsorglich habe ich mich bereits kurz bei BlackRapid erkundigt, ob das normal ist. Man teilte mir mit, dass das nicht so gedacht sei und ich mich an den Kundenservice wenden solle. Die Kollegen würden sich freuen mir zu helfen. Ich bin gespannt.

Außerdem habe ich vor kurzem von einer sich lösenden Kamerabefestigung bei einem Sun Sniper-Strap gelesen (die gleiche Stelle an der der Cullman-Taschengurt sein Leben beendete). Wenn man ein wenig sucht, findet man vielleicht auch ähnliche Fälle bei BlackRapid-Nutzern (auf die Schnelle fand ich welche von vor 3 Jahren). Das wäre natürlich der Super-GAU, wenn das teure Gerät, das eh schon (unkontrolliert) kopfüber hängt, plötzlich zu Boden kracht. Das gibt nur Ärger, den man sich sicher gerne erspart. Daher gefällt mir die Lösung des Konzertfotografen Peter Wafzig ausgesprochen gut, selbst wenn sie nicht die hübscheste ist: Er hat die Kamera zusätzlich zum Karabiner mit einem Schnürsenkel oder Strick noch an Gurtbefestigung der Kamera und Gurt festgebunden.. Ich hoffe, ich verliere das nicht aus den Augen, denn sicher ist sicher.

Das gravierendste Problem bei der Nutzung des R-Straps bin ich aber selbst: Ist der Gurt an der Kamera befestigt, baumelt er einfach nur unten herum. Das Handling der Kamera ist nicht eingeschränkt, sie verhält sich also als wäre kein Gurt befestigt. Dennoch kann man sich auf den R-Strap verlassen: Kamera zurückführen und loslassen. Doch was, wenn der Karabiner gelöst ist und tatsächlich kein Gurt befestigt? Man braucht nur einen Moment, vielleicht in Gedanken, nicht aufzupassen und schon ist es passiert: Plumps! Diese Zeilen würde ich nicht schreiben, wenn ich mich nicht schon genau dabei ertappt hätte, nachdem ich die Kamera nicht gleich wieder eingeklinkt habe. Egal, ob Verwendung eines Stativs, Objektivwechsel oder einfach nur der Wunsch nach mehr Bewegungsfreiheit – ab und zu löst man den Gurt eben doch zwischendurch!

Fazit

 Guter Gurt. Ein bisschen Risiko gibts immer, das Risiko „Mensch“ sowieso. Schade, aber kein großer Verlust, ist die nicht nutzbare Tasche.

Der Gewinn in Sachen Tragekomfort und Handling der Kamera sind auf jeden Fall gute Gründe, die für den Gurt sprechen. Zwar ist der Preis mit rund 50 Euro für einen Gurt nicht ohne, aber hier ist das Geld doch gut angelegt – zumal selbst Speicherkarten oder anderes Zubehör zum Teil deutlich teurer sein können. Und an Ergonomie, Komfort und Sicherheit sollte man doch nun wirklich nicht sparen. Empfehlung!

Ein Tipp noch zur Verwendung des Gurtes: Gelegentlich wird berichtet, dass der Gurt zusammen mit der Kamera in der Tasche verstaut durch die Metallkarabiner den Lack der Kamera beschädigen kann. Also: Gurt ab und separat in die Tasche. Problem gelöst.

Update 04.04.2012 – 21.30 Uhr

Von BlackRapid wurde ich an enjoyyourcamera, den Händler in Deutschland, verwiesen. Von dort wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei dem Problem mit dem aufgeriebenen Nylongurt um einen einmaligen Fehler handele und man werde mir einen neuen R-Strap schicken. Unklar ist allerdings, ob sich das auch auf das zunehmende Spiel des Karabiners bezieht. Das werde ich weiterhin beobachten.

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Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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Kommentare

  1. Iiiiigitttt ein Tokina auf der D800 😉

    Danke für deinen Erfahrungsbericht. Ich habe die D800 erstmal an einen guten – ich glaube von enjoyyourcamera – „Gummiriemen“ gehängt! Aber dein Thema „Sling“ ist für mich noch nicht ganz durch. Aber der optisch scheußliche aber hocheffektive Tip von Peter Wafziger macht es mir immer schmackhafter! Weil du sonst immer im Kopf hast: wenn (sich) die Verschraubung im Kamerastativgewinde (löst) bricht, knallt die Kamera „aufs Dach“. Was dann richtig teuer wird! Danke für den Bericht! Ich werde wohl nach Ostern mal ordern…

    Ralf

  2. Hallo, danke für den Review.

    Leider habe ich auch das Problem, dass sich der Gurt durchscheuert – nach zwei Sessions mit etwa 600 Fotos beginnt sich das Material zu verändern – also nach gut zwei Tagen intensiver Nutzung – vier Tage nach dem Kauf.
    Nach meiner Ansicht, ist die Gurtführung innen nicht gut genug entgratet.

    Gruß

    1. Dann solltest du dich auch an den Händler wenden.

      Mein Ersatzgurt sieht auch nach mehreren tausend Aufnahmen noch aus wie am ersten Tag. Die intensive Nutzung sieht man einzig und allein den Metallteilen an: Sie glänzen nicht mehr sondern sind jetzt von Kratzern gezeichnet, „used look“. Ich bin also hoch zufrieden!

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