D800 zu 99% mit 36 Megapixeln

Monatelang wartet man und dann ist man doch völlig vom Hocker, wenn es plötzlich neue Gerüchte und sogar Spezifikationen zu neuen, lang ersehnten Kameramodellen gibt – heute so geschehen im Fall der Nikon D800.

Dem jüngsten Gerücht zu Folge bekommt die D800 einen 36-Megapixel-Sensor, der 4 Bilder pro Sekunde (etwa 6 im DX-Modus) erlaubt, aber nicht das Rauschverhalten der D3s haben wird.

Das erscheint ziemlich unglaublich – nicht nur, dass es nun endlich ein Gerücht mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt, sondern auch die extrem hohe Auflösung von 36,3 Megapixeln. Der Vorgänger, die D700, hatte immerhin nur 12,1 Megapixel (genau wie das Lichtempfindlichkeitswunder D3s). Die D3x, der bisherige Auflösungsprimus, verfügt ebenfalls „nur“ über 24,5 Megapixel. Zumindest in Sachen Auflösung würde die D800 also alles bisher da gewesene in den Schatten stellen, abgesehen von der Lichtempfindlichkeit der D3s.

3 Möglichkeiten für Nikons Ankündigungen der nächsten Zeit

Sollte die D800 mit diesen Spezifikationen also tatsächlich innerhalb der nächsten 2 Monate angekündigt werden, lässt das eigentlich nur 3 Möglichkeiten zu:

  • Erstmals erscheint ein semiprofessionelleres Modell vor dem absoluten Pro-Modell D4 erscheint, übertrumpft dabei dessen Vorgänger und gräbt damit eventuell einen Teil der Käuferschicht ab, die ansonsten zum D3-Nachfolger gegriffen hätte.
  • Obwohl es noch keine Anzeichen einer kurz bevorstehenden D4 gibt, wird sie noch vor der D800 der Öffentlichkeit präsentiert – schwer vorstellbar für die Spitze der Produktpalette, insbesondere wenn man den Rummel für die neue Nikon-1-Reihe bedenkt.
  • Die D800 wird schlichtweg sowohl D700 als auch D3x beerben und darüber hinaus das x-Modell zu Grabe tragen. Für eine D4x wird in der Produktpalette einfach kein Platz mehr sein.

Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten scheidet die erste Variante wohl aus. Möglichkeit 2 ist im Grunde genommen gleich aus mehreren Gründen undenkbar: Eine D4 wird nicht aus dem Nichts erscheinen, die Kamera ist so bedeutend, dass das mit Sicherheit im Vorfeld etwas bekannt werden dürfte. Außerdem wird Canon möglicherweise am 26. Oktober die EOS 5d Mark III vorstellen, dem wird Nikon sicher etwas entgegensetzen. Das wird aber wohl kaum eine D4 sein. Zu verschieden sind die Zielgruppen. Direkter Konkurrent wäre die D800. Würde die zusammen mit der D4 präsentiert werden, stünden beide Modelle unmittelbar in direktem Wettbewerb miteinander – wiederum aus wirtschaftlicher Sicht unwahrscheinlich.

Zufriedenstellende Lösungen?

Die plausibelste Variante ist also tatsächlich die dritte: Es wird (vorerst) keine D4x geben. Die Freunde hoher Auflösungen dürften auch mit der beschriebenen D800 glücklich werden, kein Problem an dieser Stelle.

Doch was ist mit denen, die auf eine „kleine D3s“ gehofft haben? Für diese Gruppe könnte sich die D800 als Enttäuschung entpuppen. Die Auflösung ist zu hoch, total übertrieben, die Empfindlichkeit erreicht nicht das erhoffte Niveau. Zwar könnte der 36-Megapixel-Sensor der D800 ein hochskalierter Sensor aus der D7000 sein (die hat immerhin 16,2 Megapixel im DX-Format), ein ISO-Schock bliebe also aus. Das bedeutet aber noch nicht, dass das damit automatisch ein Schritt nach vorn ist. Ich würde das dann eher als Stillstand sehen, technische Weiterentwicklungen der D7000 mal außer Acht gelassen. Schließlich verglich ich erst kürzlich D700 und D7000 – und kam zu dem Ergebnis, dass mir das Rauschverhalten der D700 geringfügig mehr zusagt. Das wäre also vielleicht nicht das, was man in der Profiliga erwartet. Immerhin ist die D7000 nur der D90-Nachfolger.

Vollformat als neue Daseinsberechtigung der „D400“

Als die D7000 aber das Erbe der erfolgreichen D90 angetreten hat, hat sie im gleichen Zug auch der D300s den Rang streitig gemacht. Im Moment gibt es eigentlich keinen Grund sich für diese Kamera zu entscheiden, außer vielleicht das Gehäuse. Die Technik darin liegt jedoch zurück. Die D400 müsste sich also mächtig strecken, um ihren Platz in der Produktpalette zu verteidigen oder neu zu finden.

Sollte Nikon mit der D800 tatsächlich diesen großen Sprung wagen, traue ich ihnen auch den Sprung bei der „D400“ zu. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie die Lücke füllen wird, die die scheidende D700 aufreißt: Kamera am oberen Ende der semiprofessionellen Liga mit moderater Auflösung, sehr guter ISO-Performance – und Vollformat-Sensor. Damit wäre die „D400“ ebenfalls ein „Doppelerbe“, Nachfolger von D300s und D700, so dass das gesamte obere Line-up eine halbe bis ganze Stufe nach oben aufrutscht.

Preislich müsste diese Kamera dann natürlich unterhalb der D800 angesiedelt sein, würde dabei aber die Akzeptanz des hohen Preises der D800 (wohl ungefähr 4.000 Dollar) steigen lassen. Der Frieden in der Produktpalette wäre also wieder hergestellt, das Bild erscheint doch ziemlich rund – fast: Es fehlt der professionelle Body mit Crop-Sensor. Sollte die D7000 etwa die einzige Kamera für professionelle DX-Nutzer sein und bleiben? An dieser Stelle entsteht eine weitere Lücke. Professionelle Naturfotografen dürften enttäuscht sein.

Zwei Nachfolger der D700 als Option

Wenn es schon keine D4x geben wird, vielleicht gibt es dann wenigstens eine „D800x“, das „x-Modell“ wird einfach wie die bessere Technik nach unten durchgereicht. Die oben angedeutete Spezifikation der D800 wäre dann eigentlich die der „D800x“ und die wirkliche D800 würde das erwartete ISO-Wunder mit moderater Auflösung unterhalb der einstelligen Reihe werden. Sie behielte also die Position der D700 und die „D400“ könnte das professionelle Crop-Modell bleiben. In den Kommentaren zum Post von Nikon Rumors wurde diese Möglichkeit schon von der (vermeintlichen) Quelle angedeutet, wenn denn dieser Kommentar kein Fake war. Vielleicht handelt es sich auch nur um einen Wunschtraum.

Bevor keine weiteren Gerüchte auftauchen, können wir darüber nur spekulieren.

Eine semiprofessionelle Kamera mit Vollformat-Sensor erscheint mir aber gar nicht so undenkbar oder unwahrscheinlich, doch das ist ein anderes Thema

Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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Kommentare

  1. Die D400 wird den 24MP-APS-C-Sensor aus laufender Sony-Produktion haben … Den 36MP-Sensor könnte auch in der D4x verbaut werden und D4 und D800 erhalten einen 24MP-FX-Sensor … D300s, D3 und D700 haben ja auch jeweils 12MP aber unterschiedliche Sensorgrössen.
    Eventuell ist das Rauschverhalten vom 36MP-Sensor dermassen gut, dass es keine „klassische“ D4x mehr geben wird.

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