Unsere erste Hochzeit: Vorbereitungen

Eigentlich war das ja nicht so geplant. Ich hatte noch nie eine Hochzeit fotografiert und hätte auch nicht gedacht, dass sich das so plötzlich ändern würde, da ich ungeheuren Respekt vor dem „schönsten Tag des Lebens“ habe. Wer will den auch schon durch vielleicht misslungene Fotos ruinieren? Ich jedenfalls nicht.

Aber dann kam alles anders…

Wie es dazu kam

Ende Mai waren wir  zur Hochzeit meiner Cousine eingeladen und Kameras wären auf jeden Fall im Gepäck gewesen, ganz unverbindlich und ohne Verpflichtungen. Doch plötzlich stand die Frage im Raum, ob wir nicht die Hochzeitsfotos machen könnten. Es wäre zwar jemand zum Fotografieren bestellt, aber es sei unklar, ob das alles funktionieren werde.

Damit ging es von einem Moment auf den anderen nicht mehr in erster Linie darum eine Hochzeit mit misslingenden Fotos zu ruinieren sondern durch Fotos, die gar nicht erst gemacht werden. Was schlimmer wäre, liegt auf der Hand.

Die Vorbereitungen

Das war ziemlich genau eine Woche vorm Hochzeitstermin. Für nähere Absprachen, Besichtigungen der Locations oder gar eine Probeshooting fehlten schlicht und ergreifend Zeit und Möglichkeiten. Dennoch ging es an die Vorbereitungen, einige Fragen waren zu klären. Die Frage, ob ich ausschließlich digital oder auch analog fotografieren würde, war für mich keine: Selbstverständlich würde ich auch analog fotografieren!
Zu klären blieb also erst mal:

1. Welche Kameras nehme ich mit?

Lange habe ich überlegt, ob ich den ActionSampler mitnehmen sollte, könnte das kleine Stück Plastik doch für die eine oder andere Situation doch ganz witzig sein. Dabei blieb es aber auch: Ganz witzig, mehr nicht. Der ActionSampler musste zu Hause bleiben.

Wie die Tatsache, dass ich analog fotografieren würde, stand auch fest, dass das ganz klar Mittelformat einschließt. Rolleicord, Pouva Start? Die Frage nach der Rolleicord konnte nur eine rhetorische sein. Die alte Lady durfte nicht fehlen, da Mittelformatfotos für mich immer noch etwas besonderes und bei der Rolleicord auch von besonderer Qualität sind.

Die Position der Pouva ist dagegen nicht so sicher: Die Fotos aus der Bakelit-Kamera sind äußerst unscharf und der Gestaltungsspielraum bei den Einstellungen geht gegen Null. Die Entscheidung, ob es bewölkt ist oder die Sonne scheint, ist ja jetzt keine überaus kreative. Das spielte für mich aber nach einigen Überlegungen keine Rolle. Mir war auch bewusst, dass meine Pouva einen Riss hat und nicht ganz dicht ist. Zusammenfassend kann man sagen die Fotos sehen aus wie aus einer anderen Zeit, sie sehen aus als wäre die Zeit stehen geblieben. Genau das ist doch für eine Hochzeit etwas ganz wunderbares. Eine Hochzeit soll endgültig sein, da passt es gut, wenn die Fotos schon aussehen wie Zeitzeugnisse. Die Pouva hatte ihren Platz!

Neben dem ActionSampler kam auch noch die Minox 35 GT in die Qualifizierungsrunde für die Hochzeit. Mit ihrer unschlagbaren „Größe“ und Unauffälligkeit qualifizierte sie sich sofort. Für unauffällige Momentaufnahmen erschien sie mir perfekt.

2. Welche Filme nehme ich mit und wieviele?

Die Film-Frage beantwortete sich eigentlich schon bei oder mit den Überlegungen zur Kamera-Frage:

Die Rolleicord qualifizierte sich wegen ihrer besonderen Qualität, also sollte auch der Film etwas besonderes sein. Und farbig. Zwar fotografiere ich wie der Stilpirat Steffen Böttcher sehr, sehr gerne in Schwarzweiß, aber so wie ich insgesamt nicht nur Schwarzweißfotos abliefern wollte, wollte ich das auch bei den analogen so halten – aber dezent. Die Wahl fiel daher auf einen Kodak Ektar, der laut den Aussagen des Labor meines Vertrauens für seine zurückhaltenden Farben von Profis geliebt wird.

Die anderen Kameras sollten mit Schwarzweißfilmen bestückt werden. Bei Momentaufnahmen wie ich sie mit der Minox vor hatte zu machen, finde ich das stimmiger und für die mit der Pouva geplanten Aufnahmen stand Farbe verständlicherweise gar nicht zur Debatte. Aufgrund der nicht vorherzusenden Licht- und Wetterverhältnisse entschied ich mich für den Ilford HP5 Plus, den ersten Film, den ich als „Lieblingsfilm“ bezeichnete.

Der Menge an Kameras wegen beließ ich es bei jeweils einem Film. Digital wollte ich schließlich auch noch arbeiten. Für alle Fälle, sozusagen den Notfall, packte ich aber noch zwei noch nie verwendete Schwarzweißfilme von Konica Minolta ein – man kann ja nie wissen…

3. Welche Objektive sollte ich dabei haben?

Da mir selbst jegliche Erfahrungswerte aus der Hochzeitsfotografie gefehlt haben, war ich dem Stilpiraten sehr dankbar dafür einmal über sein Equipment geschrieben zu haben. Der Beitrag bot eine gute Orientierung und ins Gepäck kamen Objektive, bei denen die Flexibilität im Vordergrund stand und für Portraits das „Nifty-Fifty“.

Ich war auf alles vorbereitet. Meine Objektivauswahl deckte einen Brennweitenbereich von 10 bis 300mm ab (15 bis 450mm KB-Äquivalent). Für „witzige“ Effekte war das Fisheye mit dabei (wenn sich schon der ActionSampler nicht qualifizieren konnte), für die Flexibilität war das 18-135-Kitobjektiv von Nikkor dabei und für „extreme“ Brennweiten noch ein 28-300-Zoom sowie die 35- und 50mm-Festbrennweiten.

Ich hatte keine Ahnung und Erfahrung, aber ich wollte auf alles vorbereitet sein und legte mir auch schon mal ein paar Bildideen zurecht, die ich eventuell umsetzen können würde. Wie es vor Ort dann wirklich aussehen würde, sah ich ja zum ersten Mal, wenn es ernst würde.

Der Sprung ins kalte Wasser konnte kommen und stand auch kurz davor. Ich war so bereit wie ich nur sein konnte.

Über den Autor: Andreas Siegel

Fotografisch beschäftigen mich vor allem Konzerte und Tanz. In der Freizeit bleibt neben dem Medieninformatik-Studium in der Endphase im Moment wenig Zeit für ausführliche Fototouren. Wenn sich aber doch einmal die Gelegenheit bietet, mag ich es auch sehr völlig entschleunigt mit einer meiner zahlreichen (teilweise nahezu historischen) analogen Kameras unterwegs zu sein.

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